Wie wir wurden

Blicken wir nach Mittenwald. Es ist der Sommer 1923. Im Alpengasthof „Raineck", damals ein beliebtes Ziel der Mittenwalder und ihrer Gäste, wie wir von der dorti­gen Sektion wissen, treffen sich zwei Mitglieder der Sektion Hagen, beide aber Lüdenscheider Bürger:

Die Musikpädagogin Erna Berndt, 41 Jahre alt, und Sanitäts­rat Dr. Meese, 53 Jahre zählend. Frau Berndt hat mir schmunzelnd von diesem Tref­fen berichtet. Dr. Meese lernte das Hochgebirge während seines Studiums in Mün­chen kennen, und bestieg neben dem Ortler weitere Ostalpengipfel, später dann folgten Bergwanderungen mit seiner Frau. Erna Berndt verhielt sich für eine Frau damals ungewöhnlich. Ausgestattet mit hoher Sensibilität, die ihr Beruf erforderte, ging sie in den Bergen keiner körperlichen Anstrengung aus dem Weg. Nicht umsonst nannten ihre Freunde sie „Gletscher Erna"! Sie trainierte regelrecht für ihre Bergurlaube auf ungewöhnliche Weise. So traf ich sie einmal im Frühsommer mit geschulterten Skiern im Ebbe.

Wie auch immer: Auch Erna Berndt hat mir nicht verraten, wie lange der würdige Sanitätsrat und die bergbegeisterte junge Frau beim guten „Roten" zusammen­saßen. Wir können aber sicher sein, dass sie es war, welche die Idee hatte, eine Lüdenscheider Sektion zu gründen. Das würde ganz ihrer Spontanität entsprechen. Dr. Meese hat ihr als Gründungsvorsitzender später wohl aus diesem Grund die Mitglieder-Nr. 1 zuerkannt. Im Kreis der Nachbarsektionen Hagen, Siegen und Gummersbach erschien die Lüdenscheider als Spätling, aber sie erschien. Die Sektion Lüdenscheid entstand daher nicht, wie man es eigentlich erwarten konn­te, aus der Vorstellung eines Mannes, sondern einer Frau. Damals jedenfalls ein Novum. Optimismus, dass ihr Plan gelingen würde, hatten beide auch nötig.

Wir befinden uns auf dem Höhepunkt der Geldentwertung nach dem ersten Weltkrieg. Die Bürger trugen die Geldscheine mit dem Wertaufdruck 1 Million gebündelt bei sich. Der Höhepunkt war im November des gleichen Jahres erreicht. Damals galt 1 Billion abgewertet nur noch 1 Rentenmark. Die beiden beim Wein Diskutierenden wussten sicher, dass ihr Idealismus und die Liebe zu den Bergen nur von ihrem Opti­mismus und der Hoffnung auf bessere Zeiten übertroffen wurden. Unser langjähri­ger Geschäftsführer Herrmann Langkitsch hat diese Treffen einmal in seinen belieb­ten Knittelversen wie folgt beschrieben:

Doch wer kommt dort von der Höh,
aus Fels und Eis und Schnee
mit Schritten kühn und weit?
Erna Berndt aus Lüdenscheid!

Das Bergerleben in den Knochen,
kommt noch ein Lünscher angekrochen.

Wer zehrte noch vom Alpenglühn
und fühlt sich durch und durch alpin.
Es war der Sanitätsrat Meese.
Bei Rotwein und bei Alpenkäse
trafen beide sich gar bald
im „Raineckhaus" bei Mittenwald.

Sie schwuren sich beim sechsten Schoppen;
sind wir erst einmal wieder oben
in unserm schönen Sauerland
nehmen wir die Sache in die Hand

dann werden wir schon Leute finden,
eine Sektion auch dort zu gründen.

  

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- Beginn und Weg der Sektion Lüdenscheid im DAV

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